Mistel, (Viscum album) Zauberpflanze und Weihnachtsschmuck

Ein Geschenk des Himmels war die Mistel für Kelten und Germanen, sie glaubten, dass die Götter die Mistelsamen in die Bäume streuten damit diese Wunderpflanze, die nur zwischen Himmel und Erde gedeiht, für ihre Gesundheit und kultischen Handlungen wachsen kann. Sie galt als heilig und durfte nur mit dem goldenen Schwert geerntet werden. Im Mittelalter wurden Mistelzweige als Schutz gegen allerlei Unheil an die Hauswand gehängt um böse Geister zu vertreiben und die Gefahr eines Feuers abzuwenden. Und heute feiert der Mistelzweig ein neues Comeback als trendige Weihnachtsdekoration.

Die Mistel ist ein Halbparasit, sie verwächst fest mit ihrem Wirtsbaum und treibt die Wurzeln durch die Rinde der Äste um Wasser und Nährstoffe über den Saftfluss des Baumes zu beziehen. Fotosynthese jedoch betreibt die Mistel selbst, nutzt das Sonnenlicht für das Blattgrün und zur Produktion von Kohlehydraten. Der Name ‚Viscum‘ bedeutet Klebstoff, Leim was auf die klebrigen weißen Früchte hinweist. Das Sprichwort „Jemanden auf den Leim gehen“ zeugt noch von der alten Technik mit dem Mistel-Klebstoff Vögel zu fangen.

In Europa wächst die Mistel auf rund 40 Baumarten und wird je nach ihrer wirtsspezifischen  Lebensweise in drei Unterarten unterteilt. Besonders häufig ist die weißbeerige Laubholzmistel Viscum album. Ihre Verbreitung überlassen sie den Vögeln die im Winter gerne die klebrigen Beeren fressen. Um danach den Schnabel vom Kleb zu befreien wird er am Ast gewetzt und auch über den Vogelkot können sich die Samen der Mistel weiter ausbreiten. Im ersten Jahr bildet sie erst nur eine Haftscheibe aus, daraus bohren sich die Wurzeln in den Ast des Wirtsbaums. Im zweiten Jahr wachsen erste verzweigte Glieder mit den ledrigen Laubblättern, jedes Jahr kommen weitere Glieder dazu. Wie losgelöst von den Gesetzen der Erde entwickeln sich daraus die typischen Mistelkugeln die sehr langsam in alle Richtungen wachsen und erst nach 20 oder auch 30 Jahren werden daraus die großen grünen Mistelbälle die man in den Bäumen besonders im laubfreien Winter sehen kann.

Die Laubholzmistel kann fast alle Laubbäume befallen, doch selten verwurzeln sie auf Eichen und Buchen, auch Birnbäume werden in der Regel gemieden. Man findet die Mistel nahezu flächendeckend in ganz Deutschland, entlang von Flüssen und Bächen ist die Ausbreitung wegen der hohen Luftfeuchtigkeit besonders stark. Sie befällt zunehmend auch alte Obstbäume in den Streuobstwiesen, die es zu erhalten gilt. Leider ist die Bekämpfung bei alten Hochstammbäumen nicht einfach, die befallenen Äste müssen heraus gesägt werden. Der Schaden für die Holzindustrie durch einen  Mistelbefall hält sich in Grenzen, da nur die Äste in der Baumkrone besiedelt werden ist die Holzverwertung der Stämme nicht betroffen.

Ein Spaziergang durch den Oppenheimer Auenwald am Rhein zeigt jedoch, dass viele der dort betroffenen Pappeln nicht überleben werden. Als zusätzlicher Stressfaktor spielt dabei auch die anhaltende Trockenheit in Rheinhessen eine Rolle, die schon seit einigen Jahren den Bäumen zusetzt. Besiedelte Äste sind nach starkem Mistelbefall ohne Laubaustrieb und auch einige Misteln sind in diesem Sommer braun geworden und abgestorben.

Der Mistelzweig ist schon ein langer Begleiter der Menschen, er verkörpert die geistige und göttliche Lebensessenz, das Allheilende und die Unsterblichkeit. Mit Ausnahme der Beeren sind Mistelzweige und Blätter leicht giftig. Galt seine Wirkung früher als universelles Heilmittel werden Mistelextrakte heute oft begleitend bei einer Krebstherapie eingesetzt und die Mistel ist eines der besten pflanzlichen Herz- und Kreislaufmittel. Die Blätter enthalten Viscotoxin (Mistelgift), ein Stoff der den Blutdruck senkt. Seit 30 Jahren werden die Wirkung der Mistel erforscht, doch noch immer ist ihr Einsatz als Heilmittel nicht unumstritten.

Die Mistel ist weder Baum noch Strauch sie symbolisiert die Freiheit ohne Beschränkung und Einschränkung und ist ein Zeichen für den Neubeginn des Jahreszyklus beginnend mit der Wintersonnenwende. Und mit diesen mythischen Kräften sollte ein kleiner Mistelzweig über der Eingangspforte ein guter Zauber für Gesundheit und Glück im Neuen Jahr sein.

Mit besinnlichen Advents- und Weihnachtsgrüßen

Gartenführerin Christa Gugeler

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