Amaryllis, ein Naturwunder auf der Fensterbank

Schon den ganzen Winter über beobachte ich ein Naturwunder auf meiner Fensterbank. Das Geschenk, eine gewachste faustgroße Zwiebel mit kleinem Drahtgestell zum Aufstellen, hat mich schon im Advent als Gruß meiner Nachbarin erreicht. Im eleganten Wachsmantel entwickelt sich alsbald ein Naturwunder und die Spitze des ersten Blütenstängels schiebt sich nach oben. Pünktlich zu Weihnachten erblühen in kurzer Folge fünf eindrucksvoll große rote Blüten des Ritterstern (Hippeastrum).

Erst im Jahr 1987 wurde festgelegt, dass nur die südafrikanischen Arten mit etwas abweichenden Merkmalen Amaryllis belladonna und Belladonnalilie den Namen Amaryllis tragen. Dagegen die aus Südamerika stammenden Pflanzen die Gattung Ritterstern (Hippeastrum) bilden. Obwohl die modernen Hybridzüchtungen auf Basis der südamerikanischen Wildpflanzen entstanden sind, werden sie landläufig weiterhin unter dem alten Namen Amaryllis als knospende Blütenstängel und Zwiebeln angeboten. Sie sind durch ihre Herkunft mit dem für unsere Breiten entgegengesetzten Vegetationszyklus ein eindrucksvoller Blumenschmuck im Winter.

Kaum sind bei meinem Exemplar die Blüten am ersten Stängel verblüht, wächst mit rasantem Tempo ein zweiter Blühtrieb heran. Und wieder erscheinen, nachdem die schützenden Tragblätter auseinanderbrechen, mehrere Blütenknospen. Diesmal sind es sogar sechs Blüten die über mehrere Wochen nach und nach aufgehen. Es ist nicht zu glauben, welche Schätze in einer einzigen Zwiebel gespeichert sind, die ohne weitere Nährstoffe oder Wasser diese Prachtblüten hervorbringen kann. Wenn man die Blühphasen aufmerksam verfolgt sieht man wie die Staubgefäße aufspringen um ihre pudrigen Pollen frei zu setzen. Auch der Stempel öffnet sich nach und nach und lockt mit klebrigem Nektar. Doch leider schlafen die Insekten noch und Samen der Hybridzüchtungen ergeben sowieso keine gleichwertig großen Blüten mehr, da die Züchtungseigenschaften nicht mit vererbt werden können.

Bei der heute modernen Deko der gewachsten Blumenzwiebel sind alle Wurzeln abgeschnitten und ein weiterkultivieren ist oft nicht erfolgreich, wenn man die Zwiebel vom Wachsmantel befreit. Doch auch in Substrat gepflanzte Ritterstern-Zwiebeln kommen nicht sicher zu einer neuen Blühphase im nächsten Jahr. Manchmal jedoch gibt es eine Überraschung und im Garten, wo die Zwiebeltöpfe im geschützten Halbschatten den Sommer verbringen, zeigt sich plötzlich eine nicht zu übersehende Amaryllisblüte.

Das Geheimnis für die richtige Pflege ist der Wechsel von Warm- und Kaltperioden und einer Nass-und Trockenphase als vererbte Erinnerung an ihre südamerikanische Heimat. Der Zwiebelschaft ragt bis zur Hälfte aus der Erde und während der Regenerationszeit sollte man regelmäßig gießen und düngen aber Staunässe vermeiden. Gute Erfolge hatte ich wenn ich die abgeblühten Töpfe im Sommer einfach im Garten unter den Büschen vergessen habe und sie im Herbst wieder auf die Fensterbank kamen. Erst wenn sich im trockenen Topf ein grüner Trieb ausgebildet hat wieder mäßig mit dem Gießen beginnen. Mit etwas Glück kann man sich dann über ein erneutes Blühendes Rittersterns freuen.

Mit blühenden Naturwundergrüßen,

Gartenführerin Christa Gugeler

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