Ein Bienenmagnet - oder was macht die Fette Henne im Garten?

 

„Schaut doch mal die Fette Henne ist voller Bienen!“, sagte ich vor einigen Jahren zu unseren damals dreijährigen Zwillingen. Doch statt nach den Blumen zu schauen, riefen sie „Wo? Die Hühner sind doch gar nicht im Garten!“ und rannten zum Hühnergehege. „Welche Henne meinst du denn? Die sind doch gar nicht fett! Wo sind denn jetzt die Bienen?“ hörte ich sie wieder fragen. Ich musste schallend über dieses Missverständnis lachen und nahm die kleinen Junggärtner erstmal mit zur „richtigen“ Fetten Henne.

Ich muss jedoch gestehen, der Name klingt nicht gerade schmeichelhaft für eine Pflanze, die jeden sonnigen Garten bereichert: Fette Henne oder auch Fetthenne.

 

Aber woher stammt der Name „Fetthenne“ eigentlich?

 

 

Ein gutes Suppenhuhn ist dick, rund und fett – wie die „aufgeplusterten“ fleischigen Blätter der Fetthenne. Diese Wasserspeicher lassen die Pflanze selbst auch auf steinigen und mageren Böden wachsen.

Der botanische Gattungsname der Fetthenne lautet „Hylotelephium“ – allerdings erst seit 1977, als ihr eine eigene Gattung spendiert wurde. Zuvor wurden sie der Gattung „Sedum“ zugeordnet, und in den meisten Gärtnereien findet man sie auch noch unter diesem Namen. Der aktuellere Name leitet sich von den griechischen Worten „hyle“ für Wald und „telephion” ab, einem Trivialnamen der Pflanze nach Telephos, dem Sohn des Herkules. Die Hohe- und die Purpur-Fetthenne, beides Unterarten der Großen Fetthenne, bekamen den Herkulessprössling gleich doppelt verpasst: „Hylotelephiumtelephium“.

Die Hohe- und die Purpur-Fetthenne stammen aus Osteuropa, die Pracht-Fetthenne aus Ostasien. Sie gedeihen an Felshängen, auf Geröllflächen, an Gebüsch-, Acker- und Wegränder – und überall dort, wo andere Pflanzen sich schwertun. Flache Arten der Fetthennen wachsen eher kriechend über den Boden. Die hohen Arten wie die Pracht-Fetthenne (Sedum spectabile) und die Große oder Garten-Fetthenne (Sedum telephium) entwickeln sich zu rund 60 Zentimeter hohen, buschigen Stauden. Die volle Blütenpracht in Rot, Rosa, Gelb und Weiß zeigen Fetthennen erst im Spätsommer und Herbst.

 

Wie pflanze ich die Fetthenne im eigenen Garten?

Selbst ohne allzu großen grünen Daumen erfolgreich, denn die Pflanze ist robust, standorttolerant, hitzeverträglich, trockenresistent, winterhart, anspruchslos und pflegeleicht. Als Bienen- und Insektenweide im Spätsommergarten ist sie ein Paradies. Sie verzichtet auf Düngegaben und mag einen sandigen durchlässigen Boden.

Die dicken Blätter der Fetthenne weisen ein besonders günstiges Verhältnis von Volumen und Oberfläche auf. Günstig heißt, sie besitzen relativ viel Stauraum für Wasser bei relativ geringer Oberfläche, über die das wertvolle Wasser verdunsten kann. Zudem fühlen sich die Blätter ledrig bis wachsartig an – die Oberfläche versiegelt das Blatt und schützt es vor Verdunstung. Pflanzen, die in Wurzel, Stamm oder Blättern relativ große Mengen Wasser speichern können, bezeichnet der Botaniker als „Sukkulente“ (=Saftreiche, von lateinisch sucus = Saft). Fetthennen sind blattsukkulent. Dank ihrer Wasserspeicher gedeihen die Durstkünstler auch bei längeren Trockenperioden prächtig. Sie wachsen sogar umso besser, je ungünstiger, d.h. wasser- und nährstoffärmer der Standort ist, weil sie dort besonders konkurrenzstark sind.

 

Wie pflege ich die Fetthenne im Garten?

Im Frühjahr schneidet man die üppigen vertrockneten Blütenstände dicht über dem Boden ab und schon bald treiben die grünen Blätter wieder aus und bilden eine attraktive Blattrosette. Bereits im Frühsommer bilden sich die grünen Blütenstände aus, die im Spätsommer ihre wahre Pracht entfalten. Im Herbst trocknet die Blüte dann langsam ein und ziert sich im Winter mit Eiskristallen. An manchen nährstoffreichen Standorten neigt die Hohe Fetthenne zum Auseinanderfallen und es empfiehlt sich im Mai den sog. Chelsea Chop anzuwenden. Die ganze Pflanze oder nur die äußeren Bereiche werden um gut ein Drittel reduziert, wodurch die Pflanze kompakter und stabiler wird. Aus den anfallenden Stecklingen lassen sich ganz leicht Jungpflanzen gewinnen, in dem man die Stecklinge entweder in einem Wasserglas wurzeln lässt und dann auspflanzt oder direkt in ein Sand-Erdgemisch pflanzt.

 

Die Fetthennen in unserem Garten dürfen sich wie im Schlaraffenland wähnen. Ob ab und an etwas Regen, eine gute Erde, immer mal wieder eine Gabe Sand, Pflege und Aufmerksamkeit – sie bekommen von allem mehr als genug und bedanken sich im Spätsommer mit einer üppigen Blüte.

 

Mit herbstlichen Grüßen aus dem Herbstgarten

grüßt Sie herzlich Melanie Ebling


 

Versteckte Privatgärten unserer Region erlebbar zu machen - das hat sich die Interessengemeinschaft  „Gartenführer  Rheinhessen“

zur Aufgabe gemacht.

Wir sind eine eigenständige Inter-essengemeinschaft. Gegründet 2001 mit Unterstützung des

Dienstleistungs-zentrum Ländlicher Raum (DLR)

Oppenheim.

Mehr über uns

(bitte anklicken)

 

Rheinhessen Entdecken 2020

oder hier downloaden
Rhh_entdecken_2020_1311.pdf
PDF-Dokument [5.3 MB]

Kontakt

 

Hier geht es zur Facebookseite der Gartenführer