Pflanze des Monats März 2020

Moose

Keine Frühlingsblumen sondern kleine Moospolster haben mich auf meiner Spazierstrecke durch die Weinberge rund um Nierstein fasziniert. Diese ältesten grünen Landpflanzen der Erde haben sich vor Millionen Jahren aus den Grünalgen der Gezeitenzone entwickelt. Ein echtes Fossil sind die Überlebenskünstler, die so ganz anders sind als unsere normale Pflanzenwelt. Sie haben keine echten Wurzeln, sind unabhängig vom Boden und man finden sie auf vielen unterschiedlichen Unterlagen. Sie wachsen extrem langsam und man findet sie oft auf nährstoffreichem Grund wie altem Holz, auf dem Laubteppich im Wald, an dunklen Standorten oder auf Kalkböden und in Mooren. Im Mittelalter wurden für einen besseren Schlaf oft Kissen mit Moos gefüllt, weshalb das häufige Astmoos auch Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme) heißt.

 

Bisher wurden weltweit 14.000 Moosarten entdeckt die unterschiedliche Anpassungsstrategien und Entwicklungen genommen haben und in allen Klimazonen vorkommen. Moose sind Pioniere wenn es zur Wiederbesiedlung von Pflanzen nach Naturkatastrophen wie z. B. Vulkanausbrüchen kommt.

Sie werden in drei unterschiedliche Linien unterteilt: Lebermoose, Hornmoose und Laubmoose. In Deutschland sind rund 1.100 Arten heimisch. Waldmoose sind enorm wichtig für die Wasserspeicherung und im Winter sind sie neben den Nadelbäumen die einzigen Organismen mit einer nennenswerten Sauerstoffproduktion

Kleine Miniaturlandschaften zeigen sich bei näherer Betrachtung auf einem Kalkstein am Wegesrand. In wunderbarem Farbenspiel wachsen hier Moose und Flechten zu einer Gebirgslandschaft zusammen. Aus den kleinen Moospolstern entwickeln sind manchmal winzige Stängel mit Köpfchen. Doch sind das keine Blüten die durch Insektenbestäubung für die nächste Generation verantwortlich sind. Bei der Samenbildung im Moos werden die im Wasser aktiv beweglichen Samenzellen mit den Eizellen vereint. Aus diesen befruchteten Eizellen wachsen langstielige Sporenkapseln und der Wind verbreitet daraus die staubfeinen Sporen. Weit gängiger ist aber die vegetative Ausbreitung, denn aus allen Teilen der Moospflanzen können auch wieder neue zweigeschlechtliche Moospolster wachsen.

Die Kunst der Natur ist ein Fest der Farben und Formen. Wie ein modernes Gemälde wirken die Muster der Flechten und Moose im hellen Sonnenlicht und es lohnt sich mal inne zu halten und das Szenario näher zu betrachten.

 

Durch Umweltveränderungen, überzogene Reinlichkeit und Luftverschmutzung sind auch verschiedene Moose auf der roten Liste für bedrohte Arten verzeichnet und dürfen nicht gesammelt werden. Der Versuch in der Stuttgarter Innenstadt, moosbepflanzte Platten für die Luftreinhaltung und gegen das drohende Dieselfahrverbot zu installieren, hat keine brauchbaren Ergebnisse gebracht. Moose können zwar kleinste Staubpartikel binden doch gegen CO² Abgase helfen sie nicht. Viele Platten mussten ersetzt werden, da die Moose abgestorben sind. Für den Garten steht mein Entschluss fest, Moosvernichter haben keine Chance, ich lasse das Moos im Rasen, in den Ritzen der Gartenwege und auf der Natursteinmauer einfach wachsen und bin gespannt, welche neuen grünen Strukturen sich mit  der Zeit zeigen werden.

Eine Bestimmung der Moose ist nicht so einfach, schon wenn man mit einer normalen Lupe eine kleine Moossammlung betrachtet erkennt man winzige Unterschiede an den Moosfasern in Farbe und Struktur und in der Ausbildung ihrer Sporenkapseln. Einen sehr umfassenden Moosatlas findet man unter dem Link:   http://www.bildatlas-moose.de/   Hier kann man unzählige Moose entdecken die der Biologe Michael Lüth, katalogisiert und erforscht hat. Er widmet sich ausgiebig der Wissenschaft der Bryologie.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Vorfrühling im schönen Rheinhessen.

Gartenführerin Christa Gugeler

 

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