Januar 2021

Ein Blühstreifen im Wandel der Jahreszeiten

Klimawandel – Insektensterben – Biodiversität - Corona-Pandemie – Wassernotstand - Waldsterben.  Diese Schlagworte werden uns auch im neuen Jahr begleiten. Nur nochmal schnell die Welt retten und alle Probleme lösen, wie geht das und was kann uns bei der großen Aufgabe helfen?

Mitten zwischen den Weinbergen habe ich auf meinem Spazierweg im letzten Frühjahr ein Blühparadies entdeckt. Eine wahre Bienenweide mit Phacelia (Phacelia tanacetifolia) und Senf (Sinapis) blühen um die Wette und bringen Farbe in die Frühlingslandschaft. Ein Stückchen Land nur für die Freude aller Erdbewohner und ohne wirtschaftlichen Nutzen.

Die blauvioletten Blüten der Phacelia werden gerne in Samenmischungen für Blühstreifen ausgebracht und sind ein Insektenparadies für Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen.  Zusammen mit dem Senf kann so auch das Verkrauten des Ackers vermindert werden und als Gründüngung untergearbeitet, verbessert das den Boden für die Nutzpflanzen.

Auch in den Zeilen der Weinberge lässt sich immer häufiger eine Gründüngung beobachten. Besonders schön ist der mit roten Kerzen blühende Inkarnatklee. Aber auch andere Kleearten oder Leguminosen wie Lupinen, Erbsen der Wicken können mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft in den Boden bringen.

Im Garten kann man neue Beete auch durch eine erste Bepflanzung mit stickstoffbindenden Pflanzen vorbereiten. Zum Beispiel Ringelblumen eignen sich als Vitalkur für den Boden, sie bringen den nötigen Stickstoff und machen die Erde locker und krümelig.

 

Welche Überraschung einige Wochen später ist die Blühwiese zwischen den Weinbergen in ein kräftiges rotlila getaucht. Was ist denn hier passiert? Die Frühjahrsblüher Phacelia und Senf haben schon Samen angesetzt und sind jetzt unsichtbar, die Malve (Malva sylvestris ssp. 'Mauritiana') hat ihren großen Auftritt. Eine Augenweide, wenn man über das leuchtende Malvenfeld in Richtung Nierstein blickt.

 

 

Käsepappel heißt im Volksmund die Urform der Malve (Malva sylvestris). Sie ist eine alte Allroundpflanze in der Heilkunde. Zur Körperstärkung wurde früher aus den kleinen Blättern und den Samenknöpfen ein Brei gekocht um Kinder nach Krankheitsphasen wieder aufzupäppeln. Sie enthalten viel Vitamin C und Antioxidantien die entzündungshemmend wirken und ein Tee aus den Blättern hilft bei Husten und Erkältungssymptomen. Auch bei Hautkrankheiten, Magenverstimmung, bei Verstauchungen und Abszessen oder zur Haarpflege wurde aus der ganzen Pflanze ein Aufguss zubereitet und für Verbände oder als lindernder Badezusatz verwendet. Zusammen mit den nussartig schmeckenden Früchten, welche Käselaibförmig aussehen und der stärkenden Wirkung, kam die Käsepappel zu ihrem landläufigen Namen.

Der Sommer ist da und mit ihm hat wieder die Farbe gewechselt, nun herrscht weiß vor. Die Wilde Möhre (Daucus carota ssp. carota) hat den Platz erobert und reckt ihre Blütendolden in die Sonne. Das lateinisch Wort carota findet sich bereits in einem antiken Kochbuch, die moderne Karotte ist  vermutlich eine Kreuzung aus der wilden Möhre mit der südeuropäischen oder orientalischen Karotte. Die Wilde Möhre ist ein Tiefwurzler und kann auch im trockenen Sommer genügend Wasser aus ihrem Speichergewebe ziehen.

Die Lieblingspflanze des Schwalbenschwanzes ist die Wilde Möhre, die Raupen fressen sich gerne am Möhrenkraut dick und fett. Leider habe ich aber den imposanten Schmetterling nicht beobachten können. Aber viele Wildbienen, Fliegen, Wanzen und Käfer sind häufige Nektarsucher auf den Blüten.

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt und der Herbst in den Winter mündet, sind die Farben mehr und mehr ausgelöscht. Doch nach einem Regen zeigt sich schon das erste zarte Grün das die Welt wieder bunt und blühend erwachen lässt. Die Samenstände der Wilden Möhre recken sich noch immer in den Himmel wie vormals die Blüten und die Phacelia-Samen sind bereits aufgegangen und bilden einen grünen Teppich der den Kreislauf im neuen Jahr fortsetzen wird. 

Unsere hochindustrialisierte Landnutzung mit den großen Monokulturen hat nur noch wenige freie Flächen die für den Naturschutz frei gehalten werden. Für viele Insekten ist es aber wichtig durch das ganze Jahr hindurch genügend Nahrung zu finden und für Brut und Überwinterung unbearbeitete Flächen zu finden. Die Blühstreifen sind eine erste Maßnahme um dem Insektensterben entgegen zu wirken. Die Blumenwiese auf meiner Spazierrunde wurde über das ganze Jahr nicht bearbeitet und ich bin gespannt wie sie sich in diesem Jahr entwickelt und wieder als Futterquelle für viele Insekten und damit auch für unsere heimischen Vögel zum Anziehungspunkt wird.

Mit Vorfreude auf ein baldiges Erwachen der Natur grüßt herzlich Gartenführerin Christa Gugeler

Versteckte Privatgärten unserer Region erlebbar zu machen - das hat sich die Interessengemeinschaft  „Gartenführer  Rheinhessen“

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Wir sind eine eigenständige Inter-essengemeinschaft. Gegründet 2001 mit Unterstützung des

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